Assessment-Center: Übungen zur Vorbereitung

Glassdoor Team
Glassdoor Team | Autor & Karriere-Experte bei Glassdoor | 6. Apr. 2023
Sie haben sich erfolgreich beworben – und erhalten dann eine Einladung zu einem Assessment-Center. Der Grund: Das Unternehmen nimmt damit potenzielle Kandidaten und Kandidatinnen für den Job genauer unter die Lupe. Denn die Übungen in diesem Auswahlverfahren sollen verschiedene Fähigkeiten testen. Erfahren Sie hier, was Sie dabei erwarten kann und wie Sie sich am besten darauf vorbereiten. Damit Sie die Herausforderung Assessment-Center mit Bravour meistern!
- Warum setzen Unternehmen Assessment-Center ein?
- Welche Übungen sind typisch für das Assessment-Center?
- Unterschiede beim Assessment-Center für Führungskräfte und Berufseinsteiger:innen
- Vorbereitung auf das Assessment-Center: Tipps und Tricks
- Fazit: Eine gute Vorbereitung auf Assessment-Center-Übungen lohnt sich
Warum setzen Unternehmen Assessment-Center ein?
Durch das Assessment-Center ist es den Unternehmen möglich, die Bewerber:innen besser zu durchleuchten und einzuschätzen. Sie werden in verschiedenen Situationen getestet, sodass Ihr möglicher zukünftiger Arbeitgeber einen guten Gesamteindruck von Ihnen bekommt. Außerdem sind die unterschiedlichen Kandidat:innen so leichter zu vergleichen, da sie die gleichen Aufgaben bewältigen müssen.
Übrigens: Die Anzahl der Assessment-Center als Bestandteil im Bewerbungsprozess nimmt in Deutschland immer mehr ab. Viele Unternehmen, zum Beispiel DAX-Konzerne, nutzen die Assessment-Center nur noch in einer abgespeckten Version. Trotzdem ist es empfehlenswert, sich schon beim Schreiben der Bewerbung mit dieser Möglichkeit zu beschäftigen.
Welche Übungen sind typisch für das Assessment-Center?
Obwohl Assessment-Center keinen allgemeingültigen Ablauf haben, gibt es doch einige Übungen, die häufig vorkommen. Wir geben Ihnen Beispiele für Aufgaben, die Sie erwarten können – und verraten Ihnen, wie Sie sich darauf vorbereiten können. Nicht alle müssen Ihnen begegnen, aber einige davon sicherlich.
Allerdings sollte Ihnen bewusst sein, dass es im Assessment-Center keine Übungen mit festgelegten Lösungen gibt. Dafür sind die meisten viel zu individuell und auf Soft Skills ausgelegt. Denken Sie daher immer daran, dass es nicht nur auf das Endergebnis ankommt, sondern auch darauf, wie Sie zu diesem Ergebnis kommen und sich dabei verhalten.
Übungen zum Thema Selbstpräsentation
Eine beliebte Übung für den Anfang des Auswahltags, wie das Assessment-Center auch genannt wird, ist die Selbstpräsentation. Dabei stellen Sie sich in einer kurzen Präsentation selbst vor, wobei Sie gezielt Schwerpunkte setzen. Überlegen Sie sich dafür am besten im Voraus, welche Aspekte Sie aus Ihrem Lebenslauf hervorheben wollen.
Orientieren Sie sich dazu an der Stellenausschreibung und daran, was in Ihrem Wunschberuf erwartet wird. Diese Aufgabe können Sie zu Hause gut vor Familie und Freunden üben, um sich selbst Sicherheit zu geben und die Angst vor dem Präsentieren zu mindern.
Übungen rund um das (Job-) Interview
Das Jobinterview ist ähnlich aufgebaut wie ein Vorstellungsgespräch. Ihnen werden verschiedene Fragen gestellt, die Sie beantworten müssen. Überlegen Sie sich dafür vorab Antworten und schauen Sie sich Ihren Lebenslauf noch einmal an. Welche Aspekte darin könnten angesprochen werden? Gibt es Lücken im Lebenslauf, die Sie erklären müssen?
Gehen Sie am besten so vor wie bei einem Bewerbungsgespräch, sprich: Nutzen Sie zum Beispiel unsere Tipps für eine professionelle Vorbereitung auf das Bewerbungsgespräch oder setzen Sie sich mit häufigen Fragen im Vorstellungsgespräch auseinander.
Übungen mit anderen Bewerber:innen – das Rollenspiel
Ein Rollenspiel ist in den meisten Fällen eine Übung, die Sie mit einem, einer oder mehreren Bewerber:innen zusammen durchführen. Dabei wird Ihnen eine Situation vorgegeben, die im Arbeitsalltag vorkommen kann – und Sie sollen in einem Rollenspiel zeigen, wie Sie damit umgehen würden.
Beispiele dafür sind Mitarbeitergespräche bei Führungskräften oder Gespräche mit Kundschaft, wenn Sie im Service oder Verkauf arbeiten. In beiden Fällen werden Ihre Kommunikationsfähigkeit, Ihr Einfühlungsvermögen und Ihre Stressresistenz getestet, denn es handelt sich in der Regel nicht um ein angenehmes Gespräch. Hier gilt: Bleiben Sie höflich und zugewandt – aber lassen Sie sich keinesfalls dazu hinreißen, aus der Ruhe zu kommen.
Auch sollten Sie Acht geben, nicht in einen Verteidigungsmodus zu geraten, wenn Sie im Rollenspiel absichtlich in die Ecke gedrängt werden. Besser: Nehmen Sie den Faden auf und agieren Sie lösungsorientiert. Wer bereits Schulungen rund um Konfliktmanagement oder Kommunikation in schwierigen Situationen absolviert hat, hat es in der Regel etwas leichter. Aber auch alle anderen sind mit ruhigem Handeln bei einer solchen Übung im Assessment-Center auf der sicheren Seite.
Übungen zur Stressresistenz – der Postkorb
Auch mit der Postkorbübung wird Ihre Stressresistenz auf die Probe gestellt. Ihnen wird ein fiktiver E-Mail-Eingang gegeben, in dem sich viele E-Mails mit Aufgaben befinden. Allerdings haben Sie meist nur eine halbe Stunde Zeit, um diese durchzugehen, nach Wichtigkeit zu sortieren und abzuarbeiten.
Bei dieser Assessment-Center-Übung ist es besonders wichtig, dass Sie nicht stumm arbeiten, sondern Ihre Überlegungen laut aussprechen. Die Personalverantwortlichen wollen mit dieser Aufgabe herausfinden, wie sie vorgehen – und das können sie nur, wenn Sie Ihre Gedanken teilen. Gehen Sie an die Aufgabe strukturiert heran und denken Sie daran, dass diese Übung häufig so ausgelegt ist, dass Sie gar nicht alles schaffen können. Teilen Sie die Nachrichten in wichtig und unwichtig auf und überlegen Sie sich dann, welche Aufgaben Sie delegieren können oder welche an einem anderen Tag erledigt werden können. So arbeiten Sie sich stückweise vor und der E-Mail-Eingang wird leerer.
Übungen zum Thema Kommunikation – der Aufsatz
Diese Art der Aufgabenstellung kommt vor allem in Berufen vor, in denen Sie viel schriftlich arbeiten müssen. Dann ist es entscheidend, dass Sie mit der Sprache umgehen können und auch Ihre Argumente verständlich rüberbringen. Meist handelt es sich hier um eine Aufgabe, die Ihnen auch in Ihrem späteren Berufsleben begegnen wird, zum Beispiel einen Argumentationsbeitrag oder einen Ratgebertext.
Legen Sie dabei Wert auf die Qualität. Manchmal wird auch hier mit einem sehr engen Zeitfenster gearbeitet. Dann ist entscheidend, was Sie am Ende auf dem Zettel stehen haben – und nicht wie viel.
Übungen im Bereich Argumentation – die Gruppendiskussion
Eine Gruppendiskussion ist im Assessment-Center genau das, wonach es klingt. Sie werden mit mehreren Mitbewerber:innen in eine Gruppe gesetzt, dann wird Ihnen ein Thema zugeteilt. Darüber sollen Sie für eine gewisse Zeit diskutieren und Ihre eigenen Argumente schlüssig vorbringen. Allerdings ist in dieser Situation genauso entscheidend, dass Sie auf Ihre Gesprächspartner:innen eingehen – und sich mit deren Argumenten beschäftigen. So zeigen Sie Kompromissbereitschaft und dass Sie nicht auf eine Meinung festgelegt sind, wenn andere bessere Gründe vorweisen können.
Bereiten Sie sich auf diese Aufgabe vor, indem Sie branchenspezifische und allgemeine Nachrichten beobachten. Behalten Sie im Blick, was aktuell in der Welt und der Branche eine Rolle spielt. Dann ist das Risiko, von einem Thema kalt erwischt zu werden, geringer.
Übungen rund um analytisches Denken – die Fallstudie
Bei einer Fallstudie, auch Case Study genannt, müssen Sie in einer vorgegebenen Zeit ein Fallbeispiel aus der Praxis lösen. Damit wird in den meisten Fällen analytisches Denken, Stressresistenz und Ihre Konzentrationsfähigkeit getestet. Außerdem wird geschaut, wie Sie mit einem typischen Auftrag im Arbeitsalltag umgehen.
Mögliche Aufgabenstellungen sind:
- Erstellen Sie eine Marketingstrategie für einen Getränkehersteller.
- Reduzieren Sie die Produktionskosten für ein Elektroauto.
- Erklären Sie, ob sich der Eintritt in den südostasiatischen Markt für das Unternehmen lohnt.
Auf diese Aufgabe können Sie sich am besten vorbereiten, wenn Sie sich mit dem Unternehmen und dem allgemeinen Markt in der Branche beschäftigen. Machen Sie sich die verschiedenen Gegebenheiten bewusst und überlegen Sie sich schon im Vorhinein, wie sich diese auf Ihr Wunschunternehmen auswirken.
Gehen Sie dann strukturiert an die Aufgabe heran und machen Sie sich einen Plan. Wie können Sie die Aufgabe lösen und was müssen Sie dazu beachten? Welche Vorgaben spielen dabei eine Rolle? Denken Sie auch hier wieder daran, Ihre Herangehensweise ist der entscheidende Faktor, nicht nur das Endergebnis. Zeigen Sie, dass Sie eine gewisse Hands-on-Mentalität mitbringen und sich nicht so leicht aus der Ruhe bringen lassen.
Übungen zur eigenen Teamfähigkeit – die Konstruktionsübung
Die Konstruktionsübung wird vor allem bei Techniker:innen und ähnlichen Berufen angewendet. Dabei bekommen Sie in einer Gruppe einige Materialien – vornehmlich Papier, Schere und Stifte – und müssen daraus in einer vorgegebenen Zeit etwas bauen, zum Beispiel einen Turm oder eine Brücke.
Bei dieser Übung stellen Sie unter anderem Ihre Teamfähigkeit unter Beweis. Es wird genau beobachtet, wie gut Sie mit den anderen zusammenarbeiten – und welche Position Sie in der Gruppe einnehmen. Auch wird darauf geachtet, ob Sie gegebenenfalls Eigenschaften einer Führungskraft mitbringen und sogar Impuls- oder Ideengeber:in sind. Daher punkten Sie bei dieser Übung vor allem dann, wenn Sie konstruktive Vorschläge bringen, das Ziel immer im Blick haben und alle Teammitglieder miteinbeziehen. Ob Sie am Ende den Turm oder die Brücke fertig haben, ist dabei weniger wichtiger, als Ihr Verhalten beim Bewältigen der Aufgabe.
Übungen am Computer – Online-Tests
Auch Online-Tests können ein Bestandteil des Assessment-Centers sein. Dabei handelt es sich in den meisten Fällen um Wissenstests, die bekannten IQ-Tests ähneln und Ihr räumliches Vorstellungsvermögen sowie vorhandenes Allgemeinwissen abfragen. Manchmal kommt es vor, dass Sie diese zu Hause online vor dem Assessment-Center absolvieren sollen.
Bereiten Sie sich darauf vor, indem Sie online zum Beispiel berufliche Einstufungstests oder IQ-Tests machen. So werden Sie vertraut mit der Art der Aufgaben und merken selbst, wo bei Ihnen noch Schwächen liegen. Außerdem nimmt die Übung auch die Aufregung davor, sollten Sie solche Tests doch plötzlich vor Ort lösen.
Sonderfall Online-Assessment-Center
Seit Corona werden auch häufig Online-Assessment-Center von Firmen genutzt. Dabei unterscheiden sich die meisten Übungen nur geringfügig von der Präsenzversion. Nur Gruppenübungen fallen dabei weg. Vor allem Ihr Wissen wird abgefragt. Auch die Postkorbübung oder eine Fallstudie sind in dieser Konstellation möglich.
Unterschiede beim Assessment-Center für Führungskräfte und Berufseinsteiger:innen
Das Assessment-Center wird meistens bei Führungskräften und Berufseinsteiger:innen genutzt. Im Allgemein sind die Aufgaben ähnlich, allerdings unterscheiden sie sich in der Art der Ausgestaltung. Dabei werden unterschiedliche Schwerpunkte gesetzt, wie unsere Tabelle zeigt. Aufgrund der größeren Erfahrung können einer angehenden Führungskraft mehr und tiefergehende fachliche Fragen und Aufgaben gestellt werden als einem Berufseinsteiger oder einer Berufseinsteigerin.
| Assessment-Center-Übungen für Führungskräfte | Assessment-Center-Übungen für Auszubildende/Berufseinsteiger:innen |
| fachspezifisch mehr auf Führungsqualitäten ausgelegt | Allgemeinwissen und rudimentäres Fachwisseneher auf allgemeine Soft Skills ausgelegt |
Vorbereitung auf das Assessment-Center: Tipps und Tricks
Auch wenn Sie nicht genau wissen, welche Aufgaben Ihnen im Assessment-Center gestellt werden, ist eine gute Vorbereitung Gold wert. Je besser Sie auf die Übungen eingestellt sind, desto besser können Sie mit unerwarteten Situationen oder Abwandlungen umgehen. Allgemein sollten Sie sich mit folgenden drei Fragen beschäftigen:
- Was macht das Unternehmen? Informieren Sie sich über die Firmengeschichte, die Tätigkeitsfelder (nicht nur Ihr angestrebtes) und die Standorte. Auch wichtige Zahlen, wie die Anzahl an Mitarbeitenden oder das Gründungsjahr, sollten Sie kennen.
- Was wird von Ihnen im Job verlangt? Lesen Sie sich die Stellenbeschreibung noch mal genau durch und überlegen Sie sich, wie Sie welche der beschriebenen Vorgaben erfüllen. Beschäftigen Sie sich außerdem damit, was Ihre Hauptaufgaben im Arbeitsalltag sein werden und welche Situationen sich zum Beispiel für ein Rollenspiel oder eine Fallstudie eignen könnten.
- Was passiert gerade in der Welt? Verfolgen Sie täglich die Nachrichten und bleiben Sie beispielsweise mit einem Newsticker über Aktuelles in Politik und Wirtschaft auf dem Laufenden. Auch Veränderungen in der Branche sollten Sie im Kopf haben. Dies kann sich bei Fallstudien oder Gruppendiskussionen als hilfreich erweisen.
Wie lange soll ich mich auf das Assessment-Center vorbereiten?
Je gründlicher die Vorbereitung, desto größer ist die Chance auf ein gutes Ergebnis. Dabei gibt es keine pauschale Aussage, wie lange im Voraus Sie mit der Vorbereitung beginnen sollen. Wichtig ist, dass Sie sich ausreichend informieren und die Recherche nicht nur halbherzig erledigen. Ein wichtiger Bestandteil der Vorbereitung ist übrigens auch die Anreise. Stellen Sie sicher, dass Sie am Tag des Assessment-Centers pünktlich ankommen. Kalkulieren Sie dafür am besten eventuelle Staus oder verspätete öffentliche Verkehrsmittel mit ein.
Die richtige Kleidung für das Assessment-Center
Auch die Kleidung entscheidet mit, wie Sie wahrgenommen werden. Beschäftigen Sie sich daher damit, welcher Dresscode in dem Unternehmen angesagt ist und richten Sie sich danach, wie Sie sich für ein Vorstellungsgespräch kleiden würden. Bedenken Sie allerdings auch, dass Sie beim Assessment-Center manchmal einen ganzen Tag genau diese Kleidung tragen müssen. Ihr Outfit sollte also gut sitzen – und Sie sollten sich darin wohlfühlen, um selbstsicher auftreten zu können.
Fazit: Eine gute Vorbereitung auf Assessment-Center-Übungen lohnt sich
Jedes Assessment-Center ist unterschiedlich, aber mit Ihrem Wissen über mögliche Übungen und unseren Tipps können Sie sich gut vorbereiten. Bleiben Sie aber gleichzeitig spontan, wenn Übungen abgewandelt werden. Und denken Sie immer daran: Mit Ihren Vorkenntnissen aus der Recherche sind Sie gut gewappnet – und können die Ihnen gestellten Aufgaben bewältigen.

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