Probearbeiten: Tipps zur Vorbereitung, Bedeutung und Vorgaben

Glassdoor Team
Glassdoor Team | Autor & Karriere-Experte bei Glassdoor | 19. Jan. 2022
Falls Sie das Angebot zur Probe zu arbeiten bekommen haben oder diese Möglichkeit in Inzwischen ist Probearbeiten in vielen Branchen üblich. Dabei werden Sie nach dem Vorstellungsgespräch für eine kurze Zeit zum Arbeiten im Unternehmen eingeladen, um Ihre Tauglichkeit in der Praxis zu prüfen. Erfahren Sie hier, was in Bezug auf Probearbeit rechtlich festgelegt ist – und wie Sie sich am besten vorbereiten, um zu überzeugen.
In diesem Beitrag
- Probearbeiten: Bedeutung
- Was ist der Unterschied zwischen Probearbeit und Probezeit?
- Vorteile des Probearbeitens
- Vor dem Probearbeiten
- Probearbeiten: Tipps für die Vorbereitung
- Aufgaben während des Probearbeitens
- Was passiert nach dem Probearbeiten?
- Probearbeiten trotz bestehendem Arbeitsverhältnis
- Probearbeiten nach Vorstellungsgespräch – Fazit
Probearbeiten: Bedeutung
Probearbeiten hilft dabei, dass sich Bewerber:innen und Unternehmen besser kennenlernen. Der potenzielle Arbeitgeber möchte sehen, ob Sie zum Unternehmen passen und gut mit dem Team zurechtkommen. Sie selbst können in diesem Fall herausfinden, ob die Arbeit und das Umfeld wirklich etwas für Sie ist.
Es handelt sich also um einen weiteren Teil des Bewerbungsprozesses, weshalb Kandidaten und Kandidatinnen zuvor noch keine Jobzusage erhalten. Wenn Sie eingeladen werden, ist das allerdings ein gutes Zeichen. So haben Sie schon viele andere Bewerber:innen hinter sich gelassen.
Was ist der Unterschied zwischen Probearbeit und Probezeit?
Häufig verwechseln viele die Probearbeit mit der Probezeit, weil die Begriffe ähnlich klingen. Beide Formen sind Testphasen, bei der die Parteien sehen können, ob sie zusammenpassen. Allerdings gibt es einige Unterschiede:
| Probearbeit | Probezeit |
| - findet vor der Unterzeichnung des Arbeitsvertrags statt - dauert maximal wenige Tage oder sogar nur einen Tag - kein Gehalt | - findet nach der Unterzeichnung des Arbeitsvertrags statt - dauert nicht länger als 6 Monate - volles Gehalt |
Vorteile des Probearbeitens
Probearbeiten hat Vorteile für beide Seiten. Sowohl Bewerber:innen als auch als Arbeitgeber sehen, ob der oder die Kandidat:in in das Team passt – und menschlich mit den zukünftigen Kolleg:innen zurechtkommt. Der Arbeitgeber lernt außerdem die Arbeitsweise des Bewerbers oder der Bewerberin kennen und testet mit kleinen Aufgaben, ob die Person für den Job geeignet ist.
Genauso finden Sie als Bewerber:in heraus, ob die Art der Aufgaben Ihnen zusagt und das ist, was Sie von dem Beruf erwartet haben. Oder ob die Arbeitsweise oder die Themenschwerpunkte gar nicht zu Ihrem Typ passen. Es handelt sich also auf beiden Seiten um ein Abtasten. Wie beim Vorstellungsgespräch werben beide Parteien für sich, um sich gegenseitig zu überzeugen.
Vor dem Probearbeiten
Obwohl es sich bei Probearbeiten in der Regel um eine unverbindliche und ungezwungene Kennenlernphase handelt, sollten Sie dennoch die wichtigsten gesetzlichen Fakten dazu kennen.
Was sagt das Arbeitsrecht zum Probearbeiten?
Hier gilt: Vor dem Probearbeiten müssen Sie keinen Vertrag abschließen. Allerdings ist es für beide Seiten empfehlenswert, eine schriftliche Vereinbarung aufzusetzen. Darin werden alle wichtigen Informationen festgehalten, die für die Probearbeit von Relevanz sind.
Inhalt der schriftlichen Vereinbarung:
- Name des Bewerbers oder der Bewerberin
- Einsatzort
- Zeitraum
- Hinweis, dass Arbeitsleistung nicht verpflichtend ist
- Hinweise zum Hausrecht des Arbeitgebers
- Ansprechpartner:in für den oder die Bewerber:in
- Information darüber, dass die Probearbeit jederzeit von beiden Seiten mündlich beendet werden kann
- Hinweis, dass für die Probearbeit kein Gehalt gezahlt wird
Das Arbeitsrecht besagt jedoch auch, dass solche Vereinbarungen nichtig werden, wenn es in der Praxis anders aussieht. Probearbeiter:innen ersetzen keine vollwertige Arbeitskraft, sondern sind eher Mitläufer:innen. Das bedeutet, sie übernehmen zum Beispiel nicht selbst ein Kundengespräch, sondern hören dabei nur zu. Sollte das anders sein, wird aus der Probearbeit mit oder ohne Vereinbarung ein festes Arbeitsverhältnis.
Was gilt hinsichtlich Versicherung und Probearbeiten?
Allgemein muss der Bewerber oder die Bewerberin weder beim Finanzamt noch bei der Sozialversicherung für das Probearbeiten angemeldet werden. Ansonsten gilt, dass die gesetzliche Unfallversicherung für einen Unfall während des Probearbeitens nur zahlt, wenn Sie von der Agentur für Arbeit geschickt werden und dort als arbeitssuchend gemeldet sind. Sollte es beim Probearbeiten zu einem Schaden im Unternehmen kommen, übernimmt in der Regel Ihre private Haftpflichtversicherung die Kosten.
Probearbeiten - Wie lange?
Gesetzlich ist keine Höchstgrenze für die Dauer des Probearbeitens festgesetzt. Normalerweise dauert sie allerdings nicht länger als eine Woche. Meistens sind kürzere Zeiträume vorgesehen, wie wenige Stunden am Morgen oder Nachmittag. Zudem dürfen Bewerber:innen keine Extrastunden während des Probearbeitens leisten. Wie lange genau die Probearbeit dauert, hängt also von dem Unternehmen selbst ab. Auch eine Mindestvorgabe ist rechtlich nicht festgelegt.
Allgemein müssen Sie sich nicht an den im Unternehmen vorherrschenden Dienstplan halten und dürfen erscheinen und gehen, wann Sie möchten. Sollte das anders sein, kann das dazu führen, dass die Probearbeit als festes Arbeitsverhältnis angesehen wird und daher bezahlt werden muss.
Ist eine Woche Probearbeiten legal?
An sich spricht nichts dagegen. Bedenken Sie allerdings auch hier, dass Sie nur schnuppern und nicht selbstständig Aufgaben erledigen sollten. Mögliche Gründe für eine Woche Probearbeiten können unterschiedliche Abläufe im Unternehmen sein, die Sie alle kennenlernen sollen – und die an verschiedenen Tagen stattfinden.
Wird Probearbeiten bezahlt?
In der Regel nicht. Erwarten Sie also keinen Lohn, wenn Sie zur Probe arbeiten. Der Arbeitgeber muss Ihnen gesetzlich gesehen nämlich für das Probearbeiten nichts bezahlen. Sonst würde es als Arbeitsverhältnis zählen. In diesem Fall gilt also auch der Mindestlohn nicht. Eine Aufwandsentschädigung ist übrigens eine freiwillige Option. Viele Arbeitgeber kommen aber für Kosten wie Verpflegung oder die Fahrt zum Unternehmen auf. Sprechen Sie das am besten vor dem Probearbeiten an.
Probearbeiten: Tipps für die Vorbereitung
Beachten Sie einige Tipps, damit Sie einen positiven Eindruck beim Arbeitgeber hinterlassen und Ihre Chancen auf einen Arbeitsvertrag verbessern. Eine gute Vorbereitung ist dabei ausschlaggebend für den Erfolg Ihrer Probearbeit. Erfahren Sie hier, worauf Sie vor dem Termin Wert legen sollten. Einige Aspekte kennen Sie möglicherweise schon aus der Vorbereitung auf das Vorstellungsgespräch und können auf die Recherche dort zurückgreifen.
1. Informieren Sie sich über den Arbeitgeber
Je besser Sie sich auf das Unternehmen einstellen, desto realistischer sind Ihre Erwartungen. Sammeln Sie Informationen über den Arbeitgeber, indem Sie etwa Freunde, Verwandte oder Bekannte fragen oder auf Glassdoor stöbern und das jeweilige Unternehmen entdecken. Dort finden Sie zahlreiche Bewertungen und Meinungen, die Ihnen einen besseren Gesamteindruck vermitteln. Zudem sollten Sie im Vorfeld etwa herausfinden, was der Betrieb produziert, welche Leistungen das Unternehmen anbietet, seit wann es besteht und welche Philosophie es verfolgt.
2. Bereiten Sie sich fachlich auf das Probearbeiten vor
Machen Sie sich Gedanken darüber, welche Aufgaben Sie erwarten. Spielen Sie mögliche Gespräche mit Vorgesetzten und Kolleg:innen in Ihrem Kopf durch, um auf alle Eventualitäten vorbereitet zu sein. Überlegen Sie – wie für eine Selbstpräsentation im Vorstellungsgespräch –, welche Aspekte Ihrer Laufbahn Sie in den Vordergrund stellen wollen. Denken Sie allgemein daran, dass nicht nur Ihre fachlichen Kompetenzen geprüft werden, sondern auch Ihre Soft Skills einen wichtigen Faktor bei der Entscheidung für oder gegen Sie spielen.
Fähigkeiten, die beim Probearbeiten geprüft werden:
- Teamfähigkeit
- Fachwissen
- Lernbereitschaft
- Empathie
- Durchsetzungsfähigkeit
3. Erscheinen Sie pünktlich und ausgeschlafen
Sie können sich nur von Ihrer besten Seite zeigen, wenn Sie ausgeschlafen sind und ausreichend Energie mitbringen. Versuchen Sie daher, früh schlafen zu gehen. Planen Sie außerdem Ihren Hinweg mit einem zeitlichen Puffer, damit Sie pünktlich und nicht gestresst auf der Arbeit erscheinen. Nehmen Sie eine Bahn oder einen Bus früher, rechnen Sie mit Stau und schauen Sie sich den Fußweg davor genau an.
Wenn Sie nicht am Standort des Probearbeitens wohnen und eine längere Anreise haben, nehmen Sie sich am besten ein Hotel, damit Sie am Vorabend stressfrei ankommen können. Dann sind Sie auch nicht so stark von Auto und Bahn abhängig. Das organisieren Sie zwar alles selbst, jedoch kann es sein, dass das Unternehmen die Kosten übernimmt.
4. Sorgen Sie für ein positives Erscheinungsbild
Finden Sie im Vorfeld idealerweise heraus, welcher Dresscode im jeweiligen Unternehmen gewünscht und üblich ist. Informationen dazu können Sie beispielsweise auf der Website oder auf der Social-Media-Präsenz finden.
Achten Sie allgemein auf frische und gebügelte Kleidung. Diese wählen Sie am besten so aus, wie Sie auch ein Outfit für das Vorstellungsgespräch auswählen würden. Sehen Sie es wie eine Art ersten Arbeitstag, bei dem Sie einen positiven ersten Eindruck hinterlassen wollen. Wichtig zu wissen: Als außenstehende Person ohne Arbeitsverhältnis im Unternehmen müssen Sie keine Dienstkleidung tragen. Falls der Arbeitgeber dies von Ihnen verlangt, kann das vor dem Gesetz als Arbeitsverhältnis gewertet werden, weshalb er Ihnen dann unter Umständen einen regulären Arbeitsvertrag geben müsste.
Aufgaben während des Probearbeitens
Als Kandidat:in beim Probearbeiten darf der Arbeitgeber von Ihnen nicht verlangen, dass Sie eigen- und vollständig die Aufgaben von angestellten Mitarbeitenden übernehmen. Schließlich geht es darum, in das Unternehmen hineinzuschnuppern – und deshalb sollten Sie höchstens Teilaufgaben ausführen, um die Tätigkeit kennenzulernen. Dabei hilft Ihnen idealerweise ein:e feste:r Ansprechpartner:in. Diese Person zeigt Ihnen Ihre To-dos und erklärt Ihnen im besten Fall die Besonderheiten des Unternehmens. Normalerweise laufen Kandidat:innen in der Probearbeit vor allem einer Fachperson nach und lernen Abläufe kennen. Wer beispielsweise im Callcenter bei der Probearbeit ist, darf zwar bei Kundengesprächen zuhören, aber nicht selbst mit Kundschaft telefonieren.
Was passiert nach dem Probearbeiten?
Nach dem Probearbeiten können Sie eine Zusage oder eine Einladung erhalten, um den Arbeitsvertrag zu unterschreiben. Manchmal geschieht das nicht direkt danach, sondern einige Tage später. Schließlich muss der Arbeitgeber entscheiden, ob Sie zum Unternehmen passen und gegebenenfalls erst Formalitäten klären, indem etwa ein Arbeitsvertrag vorbereitet wird. Normalerweise teilen die Personaler:innen Ihnen allerdings direkt nach der Probearbeit mit, ob sie sich melden werden oder wann Sie ungefähr mit einer Antwort rechnen können. Falls das nicht passiert, dürfen Sie am Probearbeitstag auch selbst danach fragen oder im Nachhinein eine Dankesmail wie nach dem Vorstellungsgespräch schreiben. Bedanken Sie sich in der E-Mail für das Probearbeiten und erwähnen Sie, dass Sie sich auf eine baldige Rückmeldung nach dem Probearbeiten freuen.
Probearbeiten trotz bestehendem Arbeitsverhältnis
Ein Sonderfall ist das Probearbeiten bei einem bestehenden Arbeitsverhältnis. In der Regel ist das nicht erlaubt, weil Sie damit gegen Ihren Arbeitsvertrag verstoßen.
Wurden Sie allerdings schon gekündigt oder läuft Ihr Vertrag bald aus, zum Beispiel nach einem befristeten Volontariat ohne Übernahme, gilt diese Regel nicht. Für das Probearbeiten muss Ihr Arbeitgeber Ihnen in diesem Fall freigeben. Allerdings sollten Sie den Termin für das Probearbeiten früh genug Ihrem Chef oder Ihrer Chefin mitteilen, damit diese:r für Ersatz sorgen kann.
Probearbeiten nach Vorstellungsgespräch – Fazit
Probearbeiten ist eine hervorragende Möglichkeit, damit sich Unternehmen und Bewerber:innen kennenlernen können. Vor dem Arbeitsgesetz gibt es keine Rechte und Pflichten und der Umgang ist ungezwungen. Sehen Sie es als Testballon auf beiden Seiten, um zu überprüfen, ob es passt. Bereiten Sie sich entsprechend vor, um in dieser Zeit einen positiven Eindruck zu hinterlassen und nutzen Sie die Chance, den Arbeitgeber so gut wie möglich kennenzulernen.
Beginnt bald Ihre Probezeit? Dann sollten Sie sich mehr über die Regelungen zu Urlaub und Kündigung in dieser Zeit informieren.

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