Wie Sie Ihren eigenen Marktwert als Mitarbeiter:in ermitteln und steigern

Glassdoor Team
Glassdoor Team | Autor & Karriere-Experte bei Glassdoor | 19. Jan. 2023
Der eigene Wert als Mitarbeiter:in wird meist mit dem Gehalt gleichgesetzt. Genau aus diesem Grund ist es wichtig, den eigenen Marktwert zu steigern, wenn Sie mehr verdienen möchten. Wie Sie Ihren Marktwert bestimmen und diesen steigern, erfahren Sie in unserem Beitrag.
Die Verbindung zwischen Marktwert und Gehalt
Besonders für Mitarbeiter:innen ist ihre Vergütung ein emotionales Thema. Dabei wird es in Mitarbeitergesprächen immer wieder vermieden – und stattdessen nach Feierabend in Bars diskutiert. Seien Sie sich in diesen Momenten bewusst, dass Ihr Einkommen Ihren Wert für das Unternehmen reflektiert. Wenn der Wert steigt, steigt auch die Bezahlung.
Obwohl das logisch klingt, bestehen doch viele Gegenargumente, etwa:
- „Große Unternehmen kennen den Begriff ‚Loyalität’ nicht.“
- „Entlassungen sind komplett willkürlich – was Mitarbeitende wert sind, spielt dabei keine Rolle.“
- „Ein Jobwechsel ist der einzige Weg, eine Gehaltserhöhung zu erhalten!“
Selbst wenn aber jedes Unternehmen so rücksichtslos wäre, wie in den beispielhaften Zitaten behauptet – die Entlohnung und der Wert der Mitarbeitenden wären auch dann noch eng miteinander verbunden. Basierend auf diesem Wissen können Sie gezielt damit beginnen, Ihren Marktwert und damit auch Ihr Einkommen hin zu einem fairen Gehalt zu steigern.
Wie wird von Manager:innen der Wert der Arbeitnehmenden bestimmt?
Schauen wir uns mithilfe eines Beispiels an, wie Manager:innen Situationen bewerten, wenn es um Entlassungen geht. Sagen wir, es geht um eine Kündigung im Kundenservice und das Management muss zwischen zwei Mitarbeitenden entscheiden:
| Option 1 | Option 2 |
| Andreas ist bereits seit 20 Jahren bei der Firma angestellt und hat in der Vergangenheit seine Aufgaben erwartungsgemäß erfüllt. Er kommt jeden Morgen pünktlich ins Büro und übt alle Kundensupport-Aufgaben so aus, wie es im Lehrbuch steht. Infolgedessen wurde er über die Jahre mehrere Male befördert und verdient nun 20 Euro pro Stunde. | Michaela arbeitet erst seit fünf Jahren im Kundenservice. Sie hat eine Reihe von Zusatzqualifikationen erworben und ist für ihr exzellentes zwischenmenschliches Verhalten bekannt. Für die Kundschaft, die sie betreut, besteht eine 30 Prozent höhere Wahrscheinlichkeit, dass diese zusätzliche Produkte kauft und das Produkt Freunden weiterempfehlt. Sie geht zwar nicht immer nach Lehrbuch vor, aber behält ein Auge darauf, wie Ihre Kunden und Kundinnen auf das, was sie sagt, reagieren. Aufgrund ihrer überdurchschnittlichen Leistung verdient auch sie 20 Euro pro Stunde. |
Wer wird entlassen? In diesem Beispiel ist es Andreas. Denn das Unternehmen macht mit Andreas Verluste. Wenn Andreas entlassen werden würde, könnte ein neuer Mitarbeiter oder eine neue Mitarbeiterin eingestellt werden. Dieser oder diese kann genauso gut nach Lehrbuch vorgehen, kostet aber nur 12 Euro pro Stunde. Eine Entlassung von Michaela würde hingegen den Verlust von Kundenempfehlungen und niedrigere Verkaufszahlen bedeuten.
Den eigenen Marktwert bestimmen: So geht’s
Wenn Sie Ihren eigenen Marktwert ermitteln wollen, weil zum Beispiel eine Gehaltsverhandlung ansteht, gibt es verschiedene Faktoren. Der Wert ist mehr als die Anzahl der Jahre, die Sie für das Unternehmen tätig sind.
Natürlich spielt Erfahrung eine Rolle. Gute Mitarbeiter:innen lernen mit der Zeit dazu – und haben daher einen höheren Wert für das Unternehmen. Das spiegelt sich in Gehaltserhöhungen wider. Das Problem ist, dass Mitarbeiter:innen oft befördert werden, wenn sie über einen bestimmten Zeitraum die Mindestanforderungen erfüllen. Der eigentliche Wert des Mitarbeiters oder der Mitarbeiterin spielt dabei keine oder eine untergeordnete Rolle. Stellen Sie sich also folgende Fragen, um Ihren eigenen Marktwert ermitteln und bestimmen zu können:
- In welchen Projekten haben Sie mitgearbeitet und welche Aufgaben haben Sie dabei mit welchem Erfolg übernommen?
- Welche Fähigkeiten bringen Sie mit, die dem Unternehmen – oder allgemein in Ihrem Beruf – Mehrwert bieten?
- Wie haben Sie sich in den letzten Monaten/Jahren weitergebildet?
- Welchen Abschluss haben Sie? In den meisten Fällen ist es so, dass ein Hochschulabschluss mehr wert ist als eine Ausbildung.
- Wie viel Berufserfahrung besitzen Sie? Dazu zählen gegebenenfalls auch Praktika und Tätigkeiten als Werkstudent:in, sofern sie für Ihren aktuellen Job relevant sind.
Diese Fragen und vor allem die Antworten darauf helfen Ihnen auch vor einer Gehaltsverhandlung festzulegen, wieso Sie mehr verdienen sollten.
Gehalt & Co. – Wie kann ich meinen Marktwert steigern?
Nachdem Sie Ihren eigenen Marktwert ermittelt haben, können Sie verschiedene Maßnahmen ergreifen, um ihn zu steigern. Unsere drei Schritte helfen dabei: Erfüllen Sie grundlegende Erwartungen, suchen Sie sich Bereiche, in denen Sie herausstechen – und machen Sie sich einen Plan, um selbst gesteckte Ziele zu erreichen.
Schritt 1: Kommen Sie den grundlegenden Erwartungen nach
Bevor Sie darüber nachdenken, wie Sie herausstechen können, stellen Sie sicher, dass Sie alle Erwartungen an Ihre Position erfüllen. Wenn Sie nicht wissen, was genau von Ihnen erwartet wird, fragen Sie Ihre:n Vorgesetzte:n. Sprechen Sie mit Ihrem Chef oder Ihrer Chefin darüber, was Erfolg in Ihrem Job bedeutet. Sie können auch fragen, wie Ihre Position der Firma nutzt. Darauf aufbauend können Sie sich Ziele setzen und festlegen, wie Sie Ihren Wert steigern können. Ist zum Beispiel eine bestimmte Weiterbildung von Vorteil und gefragt, planen Sie diese ein. Wenn Sie im Gespräch mit Ihrem Chef oder Ihrer Chefin feststellen, dass Sie von bestimmten Erwartungen nichts wussten oder einige davon derzeit nicht erfüllen, legen Sie Ihren Fokus auf diese Fähigkeiten. Auch Soft Skills – wie etwa eine Hands-on-Mentalität – lassen sich erlernen.
Schritt 2: Identifizieren Sie Bereiche, in denen Sie herausstechen können
Im Gespräch mit Ihrem Chef oder Ihrer Chefin sollten Sie auch Projekte festhalten, die für das Unternehmen zusätzliche Werte schaffen und in Ihren Bereich fallen. Es ist wichtig, dass Sie diese Projekte gemeinsam mit Ihrem oder Ihrer Vorgesetzten festlegen, ansonsten laufen Sie Gefahr, Zeit und Energie in Projekte zu investieren, die Ihre Firma nicht für wichtig hält. An diesem Punkt sollten Sie sich auch überlegen, wie Sie Ihre Leistung dokumentieren. Wenn Sie im Vertrieb arbeiten, ist das Dokumentieren mit harten Fakten und Zahlen recht einfach. In anderen Bereichen ist es jedoch nicht weniger wichtig, Leistungen und Erfolge festzuhalten. Oft erfordert das Eigeninitiative und eine gute Selbstorganisation.
Bonus-Tipp
Beim Dokumentieren kann zum Beispiel eine Excel-Tabelle helfen, die verschiedene Spalten enthält, etwa „erfüllt Erwartungen“, „übertrifft Erwartungen“ und „Top-Ziele“. Eine solche Übersicht hilft Ihnen und Ihren Vorgesetzten im nächsten Mitarbeitergespräch, wenn es darum geht, Ihre Leistung zu beurteilen – und potenzielle Gehaltserhöhungen zu verhandeln. Versehen Sie Ihre Dokumentation immer mit Beispielen aus Ihrem Berufsalltag, damit Sie eine gute Argumentationsgrundlage haben.
Schritt 3: Erstellen Sie einen Plan und setzen Sie diesen in die Tat um
Im letzten Schritt sollten Sie alles, was Sie eben gelernt haben, in einen detaillierten Plan umsetzen – und diesen verwirklichen. Wählen Sie aus Ihrer Liste von Projekten, mit denen Sie alle Erwartungen übertreffen können, einige wenige Projekte aus, die Ihren Wert und den Nutzen für das Unternehmen erhöhen. Sie haben Ihren Plan erstellt und können damit aufzeigen, wie Sie an die Projekte herangehen möchten? Dann präsentieren Sie diesen Plan Ihrem Chef oder Ihrer Chefin. Auch wenn Ihre Vorgesetzten nicht mit allen Details Ihres Plans einverstanden sind, zeigen Sie damit, dass Sie motiviert sind und Ihre Karriere proaktiv in die Hand nehmen.
Bonus-Tipp
Eine weitere Möglichkeit ist eine externe Weiterbildung, mit der Sie Ihr Profil schärfen und sich in einem bestimmten Bereich, der dem Unternehmen hilft, spezialisieren. Nutzen Sie auch dazu Ihr Vorwissen und überlegen Sie, welche Kenntnisse für einzelne Projekte relevant sind. Vielleicht kann Sie bei diesem Vorhaben auch ein:e Mentor:in in Ihrem Betrieb unterstützen.
Fazit – aktiv und motiviert den eigenen Marktwert steigern
Wenn Sie glauben, eine Gehaltserhöhung verdient zu haben, dann schauen Sie sich die Ist-Situation an und analysieren Sie, was Sie wirklich wert sind. Sprechen Sie mit Ihrem Chef oder Ihrer Chefin und arbeiten Sie daran, Ihren Wert für das Unternehmen zu steigern. Mit unseren Tipps gelingt das Schritt für Schritt!

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