Mitarbeitergespräch in einem toxischen Arbeitsumfeld

Toxisches Arbeitsumfeld erkennen und handeln

Hannes Jarisch

Hannes Jarisch

Hannes Jarisch | Autor & Karriere-Experte bei Glassdoor | 27. Apr. 2023

Ihre Karriere ist nicht nur zum Geld verdienen da: Im besten Fall warten dort anspruchsvolle Aufgaben in einem produktiven und angenehmen Arbeitsumfeld auf Sie, die zu Ihren Qualifikationen und Kenntnissen passen. Leider ist das in der Realität nicht immer der Fall, denn viele Arbeitnehmer:innen haben schon Erfahrungen mit einem toxischen Arbeitsumfeld gemacht. Die Anzeichen für ein schlechtes Betriebsklima sind dabei oft nicht eindeutig. Erfahren Sie hier, woran Sie ein toxisches Arbeitsumfeld erkennen, wie Sie am besten darauf reagieren und wann es Zeit ist, sich einen neuen Job zu suchen.

Die Tipps in diesem Artikel stammen unter anderem von den Bewerbungs-Expertinnen Dr. Jo Aschenbrenner und Hanae Tominaga.

Hanae Tominaga

Hanae Tominaga arbeitet als Karriereberaterin und Coach für Fach- und Führungskräfte mit dem Fokus auf den Themen der beruflichen Neuorientierung, Karriereplanung und Persönlichkeitsentwicklung. Sie ist die Gründerin von Karrierefuchs, bildet mit ihrer Coaching-Akademie Coaches aus und hilft im Anschluss beim erfolgreichen Business-Aufbau als Coach.

Hanae Tominaga headshot

Dr. Jo Aschenbrenner

Frau Dr. Jo Aschenbrenner, ist Rechtsanwältin, Autorin und Coach mit 20+ Jahren Erfahrung im Rechtsmarkt. Nach ihrer Tätigkeit bei Freshfields Bruckhaus Deringer in München hat sie gemeinsam mit Markus Hartung das Bucerius Center on the Legal Profession geleitet, das Studien zum Rechtsmarkt und zu Leadership-Themen verfasst und corporate training programs entwickelt hat. Ihr Buch FOR PURPOSE ist das Referenzwerk für radikal moderne Unternehmensführung auf der Basis der Holacracy Praxis und integriert moderne Prinzipien in die Rechtsgrundlagen des Unternehmens. Heute ist sie als Coach für mentale Gesundheit und Impact Leadership virtuell und südlich von Hamburg tätig.

Dr. Jo Aschenbrenner headshot

Wie kann ich ein toxisches Arbeitsumfeld erkennen?

Dr. Jo Aschenbrenner: „Toxisch ein starkes Wort, welches ich vorsichtig und eher selten verwende. Generell bezeichnet man damit schädliche zwischenmenschliche Beziehungen, in der Menschen Angst haben. Für mich ist dies ein Arbeitsumfeld ohne psychologische Sicherheit (nach der Definition von Amy Edmondson).“

„Anzeichen für ein solches Arbeitsumfeld sind, dass Menschen ihre Fehler verbergen, Feedback in einer negativen Stimmung erfolgt, eine starke Defizitorientierung besteht und viel Angst herrscht, zum Beispiel die Angst:

  • Nicht gut genug zu sein
  • Nicht dazu zu gehören
  • Nicht genug zu leisten“

Anzeichen für ein toxisches Arbeitsumfeld

Unsere Expertin Hanae Tominaga fasst die Anzeichen für ein toxisches Arbeitsumfeld wie folgt zusammen:

  • Mangelnde Unterstützung und Führung durch Vorgesetzte
  • Ständiger Druck und unerreichbare Ziele
  • Mikromanagement und übermäßige Überwachung durch den Chef oder die Chefin
  • Mobbing und Diskriminierung
  • Geringe Arbeitszufriedenheit, viele Krankheitsfälle und unmotivierte Mitarbeiter:innen
  • Hohe Fluktuation und ständig wechselndes Team
  • Mangelnde Zusammenarbeit und Konflikte im Team
  • Unfaire Bezahlung und Leistungsbeurteilungen
  • Kritik wird nicht zugelassen und neue Ideen werden im Keim erstickt

„Als Arbeitnehmer:in sollte man auf jeden Fall handeln, wenn einige dieser Anzeichen das Arbeitsumfeld prägen, um mögliche Auswirkungen auf die Gesundheit zu vermeiden.“

Im Folgenden schauen wir uns die Anzeichen für ein schlechtes Betriebsklima genauer an und geben Tipps, wie Sie mit einem toxischen Arbeitsumfeld umgehen können.

1. Ihr:e Vorgesetzte:r betreibt ständiges Mikromanagement

Nicht immer ist ein toxisches Arbeitsumfeld direkt erkennbar. Ein subtiler Hinweis für ein schlechtes Betriebsklima kann ein:e Vorgesetzte:r sein, der/die sich ständig in Ihren Arbeitsalltag einmischt. Das nennt man Mikromanagement.

Das zeigt sich unter anderem dadurch, dass Ihre Chefin oder Ihr Chef bei allen E-Mails, die Sie versenden, in den CC gesetzt werden will. Auf diese Weise kann sich ein Kontrollzwang und ein Hang zur Überwachung äußern, der ein Zeichen für die Unsicherheit und Überforderung Ihres/Ihrer Vorgesetzten ist. Vielleicht steckt auch ein mangelndes Vertrauen Ihnen und Ihren Kolleg:innen gegenüber dahinter.

Was Sie tun können: Besprechen Sie sich mit Ihren Kolleg:innen

Im Austausch mit anderen Kolleg:innen werden Sie schnell feststellen, wie Ihr Chef oder Ihre Chefin im Allgemeinen bei seinen oder ihren Mitarbeiter:innen ankommt. In den meisten Fällen wird schnell deutlich, dass Sie mit Ihrer Kritik an seinem oder ihrem Führungsstil nicht allein sind. Ein Austausch mit Kolleg:innen kann ein erster Schritt hin zur Verbesserung des Betriebsklimas und zur möglichen Planung weiterer Schritte sein.

2. Ihr:e Vorgesetzte:r übt ständig übermäßige Kritik an Mitarbeiter:innen und akzeptiert selbst keine Kritik

Das ständige Herumkritisieren an Mitarbeiter:innen ist ein weiteres Zeichen für ein toxisches Arbeitsklima. Wenn Sie das Gefühl haben, dass Kritik nicht sachlich und konstruktiv vorgetragen wird, sind das Anzeichen für einen schlechten Führungsstil, der sich schnell auf die Produktivität und die allgemeine Stimmung am Arbeitsplatz auswirkt.

Ein anderer Hinweis darauf ist der Umgang Ihres/Ihrer Vorgesetzten mit Kritik am eigenen Verhalten oder Führungsstil, die ihm oder ihr sachlich vorgetragen wird. Ein kompetenter Chef setzt sich auch mit kritischem Feedback auseinander, ein toxischer Chef wird jeden Einwand direkt als irrelevant abtun.

Was Sie tun können: Weisen Sie andere Führungskräfte oder die Personalabteilung auf den Führungsstil Ihres/Ihrer Vorgesetzten hin

Nachdem Sie sich mit anderen Kolleg:innen über Ihre Chefin oder Ihren Chef ausgetauscht haben, ist ein möglicher nächster Schritt das Hinzuziehen von anderen Führungskräften oder der Personalabteilung im Unternehmen. Bedenken Sie: Es ist nicht Ihre Aufgabe als Mitarbeiter:in, allein gegen einen schlechten Chef vorzugehen. Das Hinzuziehen anderer Führungskräfte, möglicherweise anonym, kann ein erster Schritt zur Verbesserung der Arbeitssituation in Ihrem Umfeld sein.

3. Ihr:e Vorgesetzte:r bewertet Ihre Leistung und die Ihrer Kolleg:innen nicht objektiv

Der Austausch mit Ihrer Chefin oder Ihrem Chef findet im besten Fall auf einer professionellen Ebene statt. Ein Warnzeichen ist es immer dann, wenn regelmäßig persönliche Aspekte in der Zusammenarbeit oder der Bewertung Ihrer Arbeitsleistung eine Rolle spielen.

Typische Aussagen in diesem Zusammenhang sind zum Beispiel:

  • „Gerade Sie als Frau sollten doch wissen…“
  • „Bei Ihrer Herkunft können Sie das doch gar nicht einschätzen…“
  • „Kollege XY nehme ich nicht ernst, der hat noch nicht einmal studiert…“

All diese Statements sind Anzeichen dafür, dass Ihre Chefin oder Ihr Chef Ihre Arbeitsleistung nicht objektiv bewertet und kann im Wiederholungsfall das Betriebsklima belasten.

Was Sie tun können: Nehmen Sie das Verhalten Ihres/ Ihrer Vorgesetzten nicht persönlich

Wahren Sie Distanz gegenüber Ihrem Vorgesetzten und vermeiden Sie, selbst emotional zu werden. Machen Sie sich bewusst, dass Sie keine Verantwortung für das Verhalten Ihres Chefs oder Ihrer Chefin tragen und persönliche Angriffe und Diffamierungen auch nicht Ihre fachliche Kompetenz in Frage stellen. Es ist nicht Ihre Aufgabe als Mitarbeiter:in, sich alleine Ihrem Vorgesetzten gegenüberzustellen. In der professionellen Hierarchie der Firma steht sie oder er noch immer über Ihnen.

4. Ihr:e Vorgesetzte:r akzeptiert keine neuen Ideen

In vielen Jobs spielt Kreativität eine wichtige Rolle. Eine schlechte Führungskultur kann diese Kreativität abwürgen und eine Umsetzung neuer Ideen verhindern. Besonders problematisch ist es immer dann, wenn Ihr Chef oder Ihre Chefin Vorschläge von Mitarbeiter:innen ablehnt, ohne dies fachlich zu begründen. Eine typische Floskel ist in diesem Zusammenhang: „Das haben wir schon immer so gemacht.

Was Sie tun können: Besprechen Sie sich mit Personen außerhalb des Unternehmens

Halten Sie außerhalb des Jobs Ausschau nach Gesprächspartnern, falls Sie das Gefühl haben, unter Ihren Kolleg:innen nicht die gewünschte Unterstützung zu finden. Familie oder Freunde sind ein guter erster Anlaufpunkt neben der Firma, um Probleme im Job oder die Anzeichen für ein toxisches Arbeitsumfeld zu besprechen. „Es kann sehr hilfreich sein, sich Unterstützung von Freunden außerhalb des Arbeitsumfeldes zu suchen“, rät Hanae Tominaga. „Diese können helfen, Stress zu reduzieren und auf andere Gedanken zu kommen.“ Möglicherweise ist es auch sinnvoll, einen Karrierecoach zu kontaktieren.

5. Ihr Vorgesetzter manipuliert seine Mitarbeiter:innen

Im besten Fall sind Chef:innen Vertrauenspersonen, mit denen Sie offen über Probleme reden und ungeklärte Sachverhalte diskutieren können. Im schlechtesten Fall nutzen Vorgesetzte ihre Vormachtstellung, um die eigenen Mitarbeiter:innen zu manipulieren. Dies kann sich unter anderem dadurch äußern, dass den einzelnen Mitarbeiter:innen Schuldgefühle vermittelt werden. Auch wenn Sie das Gefühl haben, dass Ihnen oder Ihren Kolleg:innen unbegründet die Verantwortung für Fehler gegeben wird, kann dies ein Hinweis auf einen manipulativen Chef sein.

Was Sie tun können: Nehmen Sie sich Zeit für sich

Herrscht in Ihrem Unternehmen ein schlechtes Betriebsklima, ist es besonders wichtig, dass Sie außerhalb des Jobs für Ausgleich sorgen. Integrieren Sie möglichst viele positive Momente in Ihren Alltag. Das geht zum Beispiel mit Sport oder einem Kurzurlaub.

Was kann man als Mitarbeiter:in tun, wenn man die Probleme bei einem Vorgesetzten sieht (toxischer Chef)?

Hanae Tominaga: „Toxische Vorgesetzte sofort zu identifizieren, ist gar nicht mal so leicht. Diese können nämlich zu Beginn unglaublich charmant und eloquent wirken. Gerade bei Narzissten ist das der Fall. Der Umgang mit einer narzisstischen Führungskraft kann eine echte Herausforderung sein. War er oder sie eben noch charmant, kann man im nächsten Augenblick mit Vorwürfen und Beleidigungen konfrontiert werden. Auch wenn es schwerfällt: Hier empfiehlt es sich, sich nicht auf das Niveau herabzulassen und respektvoll zu bleiben. Ebenfalls sollten Konflikte vermieden werden, da Narzissten in der Regel keine Kritik akzeptieren und sehr empfindlich auf Zurückweisung reagieren. Stattdessen sollte man versuchen ruhig und sachlich zu bleiben und zu vermeiden, in emotionale Diskussionen oder Auseinandersetzungen verwickelt zu werden.“

Eine typische narzisstische Person hat den Drang, Grenzen zu überschreiten. Es ist deshalb wichtig, klare Grenzen zu setzen und die eigenen persönlichen Grenzen zu respektieren. Wenn diese Grenzen überschritten werden, dann sollte man entschlossen und klar kommunizieren, dass man das nicht zulässt und es sich nicht wiederholen darf.“

Hanae Tominaga, Karriereberaterin und Coach

Dr. Jo Aschenbrenner macht hier noch einmal klar: „Das Wichtigste ist, selbst gesund zu bleiben, indem Sie sich innerlich distanzieren und zum Beispiel nicht von Ihrem Chef unter Druck setzen lassen. Im Endeffekt - hier bin ich recht radikal – können Sie nichts machen, weil die alten Hierarchien immer stärker sind, als Ihr Wunsch nach Menschlichkeit und Wertschätzung. Für eine umfassende Änderung bräuchte es neue Unternehmensstrukturen.“

Um mit einem toxischen Chef umzugehen, hat unsere Expertin Dr. Jo Aschenbrenner die folgenden Ratschläge:

  • zum Betriebsrat gehen
  • sich psychologische Hilfe holen
  • eine Ombudspersonen ansprechen

Hanae Tominaga ergänzt: „Eine weitere Option wäre, sich in der Firma Hilfe zu holen, indem man sich der Personalabteilung anvertraut. Manchmal gibt es auch Mentoren im Unternehmen, die helfen können, mit so einer Situation fertig zu werden. Sie können auch, wenn möglich, über eine Versetzung in eine andere Abteilung nachdenken.“

6. Ihre Kolleg:innen zeigen Hinweise auf eine toxische Arbeitseinstellung

Alle bisher genannten Anzeichen für einen toxischen Vorgesetzten können natürlich auch bei Ihren Kolleg:innen auftreten und so ein schlechtes Betriebsklima schaffen. Möglicherweise sind die Auswirkungen noch schlimmer als bei einem Fehlverhalten Ihres Chefs oder Ihrer Chefin, vor allem falls Sie mit den betreffenden Personen eng zusammenarbeiten.

Toxische Arbeitskollegen können auf vielfältige Weise einen negativen Einfluss auf Sie haben, zum Beispiel wenn:

  • Eine Arbeitskollegin die ihr übertragenen Aufgaben nur unzureichend erledigt und sich darauf verlässt, dass Sie oder ein anderer Kollege die Arbeit übernehmen
  • Ein Arbeitskollege die Verantwortung für seine unzureichenden Arbeitsleistungen seinen Kolleg:innen zuschiebt
  • Einige Mitarbeiter:innen andere Kolleg:innen auf einer persönlichen Ebene diffamieren

„Konflikte und Mobbing unter Kolleg:innen kommen leider immer wieder vor und können ein toxisches Arbeitsumfeld schaffen“, sagt Hanae Tominaga. „Eine Kollegin, die sozial ausgegrenzt oder ein Kollege, der mit verbalen Attacken belästigt wird, können zu unnötigen Konflikten führen. Manchmal liegt das nur an unterschiedlichen Arbeitsstilen oder den verschiedenen Persönlichkeitstypen, die aufeinanderprallen. Die negative Arbeitsatmosphäre durch eine toxische Kollegin oder einen Kollegen sollte man aber auf Dauer nicht tolerieren.

Was Sie tun können: Dokumentieren Sie Ihre Arbeitsleistungen

Die eigene Arbeit zu dokumentieren ist angebracht, wenn ein oder mehrere Ihrer Kolleg:innen regelmäßig positives Feedback für Leistungen erhalten, die Sie in Wahrheit nicht selbst erbracht haben. Dann ist es hilfreich, wenn Sie sich Ihre eigene Arbeitsleistung und, sofern bedeutsam, die der anderen Mitarbeiter:innen notieren. So können Sie Ihrem/Ihrer Vorgesetzten gegenüber nachvollziehbar darlegen, wer welche Arbeitsleistung tatsächlich erbracht hat und stellen sicher, dass sich niemand „mit fremden Federn schmückt“.

Was kann man tun, wenn das Problem bei toxischen Arbeitskolleg:innen liegt?

Hanae Tominaga: „Auch hier ist es ratsam, immer höflich und professionell zu bleiben. Wenn möglich sollte man den Kontakt zu dieser Person reduzieren und klare Grenzen setzen. Also, entschlossen und klar kommunizieren, dass man solch ein Verhalten nicht toleriert.“

Dr. Jo Aschenbrenner: „Hier gilt ebenfalls: Wahren Sie eine innere Distanz und kümmern Sie sich um Ihre mentale Gesundheit. Sprechen Sie andere Kollegen an, um zu sehen, ob diese Ihrer Meinung sind. Im zweiten Schritt können Sie dann den betroffenen Kollegen ansprechen. Wenn dieser nicht bereit für ein Gespräch ist, wäre der nächste Schritt der Gang zum Vorgesetzten. Machen Sie sich bewusst: Ihre größte Stärke liegt darin, sich selbst nicht in die „schlechte Stimmung“ reinziehen zu lassen.“

Allerdings ist die Situation häufig gar nicht so, wie sie auf den ersten Blick scheinen mag. „Es kommt recht häufig vor, dass besagte Kollegin oder der Kollege sehr überrascht sind, wenn man diese auf das toxische Verhalten anspricht“, sagt Hanae Tominaga. „Oft ist es dieser Person nämlich gar nicht bewusst, was für eine Auswirkung ihr Verhalten auf ihr Umfeld hat. Neben einem ersten Schock kommt Dankbarkeit fürs konstruktive Feedback hinzu. Deshalb möchte ich ermutigen, zunächst das Gespräch mit der betroffenen Person zu suchen. Hierbei ist es wichtig, dass man sachlich bleibt, viel aus der Ich-Perspektive berichtet und sich mit Anschuldigungen und Vorwürfen zurückhält.“

Warum kommt es überhaupt zu einem toxischen Arbeitsumfeld?

„Ein toxisches Arbeitsumfeld entsteht häufig nicht aufgrund einer bösen Absicht, sondern hat in vielen Fällen etwas mit unklaren Strukturen, mangelnder Kommunikation und fehlender Führung zu tun“, sagt Hanae Tominaga. 

„Eine ineffektive Kommunikation kann z.B. zu Missverständnissen, Frustrationen und Konflikten führen. Auch eine fehlende Anerkennung seitens Vorgesetzten und Kollegen kann dazu führen, dass man sich ignoriert oder nicht wertgeschätzt fühlt. Oft kommt noch eine mangelnde Unterstützung dazu und der Mitarbeitende fühlt sich komplett alleine gelassen. Das führt zu einem Motivationsverlust und einem Mangel an Engagement. Nach einer Resignation tritt schließlich die innere Kündigung ein.“

Welche Folgen hat ein toxisches Arbeitsklima?

„Darunter leidet die Innovation, die Kreativität, die Leistungsfähigkeit von Teams und der ganzen Organisation und die seelische Gesundheit“, sagt Dr. Jo Aschenbrenner. „Es kann eine "Wir gegen die" - Stimmung entstehen. Konflikte werden nicht offen, sondern hinter dem Rücken ausgetragen. Es gibt wenig direkte, offene Kommunikation, Empathie, Wertschätzung und Verbundenheit.“

Hinweise darauf, dass Sie sich einen neuen Job suchen sollten:

  • Sie fühlen sich von Ihren Vorgesetzten dauerhaft nicht wertgeschätzt oder haben aus anderen Gründen ein schlechtes Verhältnis zu Ihrem Chef oder Ihrer Chefin
  • Die Zusammenarbeit mit Ihren Kolleg:innen ist auf professioneller und persönlicher Ebene anstrengend
  • Ihr Arbeitsumfeld ist durch Stress und ständige Überforderung geprägt
  • Es gibt keine oder nur unzureichende Aufstiegsmöglichkeiten oder sonstige Karriereoptionen
  • Ihre körperliche und geistige Gesundheit leidet unter Ihrer Arbeit
  • Sie fühlen sich aus anderen Gründen dauerhaft unwohl mit Ihrem Job
  • Sie haben bereits alles in Ihrer Macht Stehende versucht, um die Situation zu verbessern

Was sind Alternativen zur Jobsuche, wenn das eigene Arbeitsumfeld toxisch ist?

Bei einem schlechten Betriebsklima müssen Sie nicht immer sofort kündigen. Unsere Expertin Hanae Tominaga fasst noch einmal zusammen, was Sie stattdessen tun können:

„Wenn man sich in einem toxischen Arbeitsumfeld befindet und das Unternehmen nicht verlassen möchte oder kann, gibt es einige alternative Optionen, die in Betracht gezogen werden können:

  • Die eigene Einstellung ändern: Statt sich von toxischen Personen des Arbeitsumfeldes ablenken zu lassen, sollte man sich lieber auf die eigene Arbeit und Aufgaben konzentrieren.
  • Abgrenzen: Wenn möglich sollte man versuchen, sich von toxischen Kolleg:innen oder Vorgesetzten abzugrenzen. Das gelingt zum Beispiel, indem Arbeitszeiten oder Aufgaben neu strukturiert werden. Unnötiger Kontakt und Konflikte sollten vermieden werden, wo immer es möglich ist.
  • Unterstützung suchen: Wenn man sich unwohl fühlt oder diskriminiert wird, am besten sofort vertrauensvoll an Vorgesetzte oder die Personalabteilung wenden. Ebenso ist es möglich, sich Unterstützung und Hilfe von Kolleg:innen oder Freunden außerhalb des Arbeitsumfeldes zu suchen.
  • Fähigkeiten entwickeln: Die eigenen Fähigkeiten und Kenntnisse verbessern, indem man Schulungen und Fortbildungen besucht oder sich ehrenamtlich engagiert. Dies kann helfen, die Karrieremöglichkeiten innerhalb oder außerhalb des Unternehmens zu verbessern.
  • Einen Mentor/ eine Mentorin oder einen Coach suchen: Personen, die Erfahrungen im Berufsfeld haben, können bei der Entwicklung von Fähigkeiten und Kenntnissen helfen und zur Seite stehen, um einen Umgang mit schwierigen Situationen zu finden.
  • Wechsel in eine andere Abteilung: Kann man innerhalb des Unternehmens zu einem anderen Bereich oder Team wechseln?“

Toxisches Arbeitsumfeld verlassen

Die hier genannten Tipps helfen Ihnen dabei, mit einem toxischen Arbeitsumfeld umzugehen. Allerdings ist damit nicht garantiert, dass Sie in diesem Umfeld auf lange Sicht glücklich werden. Bedenken Sie: Als Mitarbeiter:in haben Sie nur einen begrenzten Einfluss auf das Verhalten Ihrer Kolleg:innen und Ihrer Vorgesetzten.

Wenn Sie sich auf Dauer in Ihrem aktuellen Betriebsklima nicht wohlfühlen, dann ist es Zeit, sich einen neuen Job zu suchen.

Lesen Sie vor der Bewerbung unbedingt die Glassdoor-Bewertungen anderer Mitarbeiter:innen, um anonyme und ehrliche Eindrücke des Betriebsklimas zu erhalten und den besten Arbeitgeber für Sie selbst zu finden.

Hannes Jarisch

Hannes Jarisch

Hannes Jarisch ist Karriere-Experte für den Glassdoor-Blog. Erfahren Sie auf dem Autorenprofil mehr über seine langjährige Erfahrung und bisher veröffentlichte Artikel.